
Der Auslöser: Die Masern-Impfpflicht und kein Kindergartenplatz
Als in Deutschland die Masern-Impfpflicht eingeführt wurde, war uns schnell klar: Wir würden keinen Kindergartenplatz bekommen.
Nicht, weil wir grundsätzlich dagegen sind — sondern weil unsere persönliche Entscheidung zu diesem Zeitpunkt nicht mit den neuen Regelungen vereinbar war.
Also standen wir vor einer großen Frage: Gibt es vielleicht ein anderes Land, in dem wir uns als Familie wohler fühlen?
Wir beschlossen, loszuziehen — neugierig, offen und ohne feste Erwartungen.
Auf Reisen — und plötzlich waren wir nicht mehr allein
Schon nach kurzer Zeit auf Reisen haben wir gemerkt: Wir waren unterwegs selten alleine. Wir haben viele Familien getroffen, die dauerhaft oder längere Zeit auf Reisen leben und deren Kinder nicht in den Kindergarten gingen, oft keinen klassischen Schulweg hatten und ohne Fremdbetreuung leben.
Bis dahin hatte ich nie darüber nachgedacht, dass ein Leben ohne Schule überhaupt möglich sein könnte.
Ich selbst hatte eine schöne Kindergartenzeit und eine unkomplizierte Schullaufbahn. Deshalb kam mir dieser Gedanke früher nie in den Sinn.
Und doch saßen wir nun mit Familien am Strand, an Stellplätzen, an Küchentischen und hörten ihre Geschichten.
Diese Familien waren uns ähnlicher als viele Menschen in unserem alten Alltag
Was uns schnell aufgefallen ist: Viele dieser Familien waren uns in ihren Werten sehr ähnlich.
Ihr Umgang mit den Kindern fühlte sich respektvoll, liebevoll und achtsam an. Die Bedürfnisse der Kinder standen sichtbar stärker im Mittelpunkt als wir es aus unserem früheren Alltag im System kannten.
Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen und extreme Beispiele. Doch die Familien, mit denen wir eine Weile gemeinsam gereist sind,
tickten oft sehr ähnlich wie wir.
Und so kamen wir zum ersten Mal ganz bewusst in Kontakt mit dem Thema Freilernen.
Unsere ersten Begegnungen mit freilernenden Kindern
Wir trafen Kinder, die nie in einer Schule waren, die neugierig, lebendig und offen durchs Leben gingen, die im Alltag, im Spiel und im Miteinander lernten und selbstbewusst Fragen stellten und ihren Interessen folgten.
Diese Begegnungen waren prägend, nicht theoretisch, sondern im gemeinsamen Erleben.
Wir sahen:
wie Lernen im Alltag entstehen kann
wie stark Kinder sind, wenn sie Vertrauen spüren
wie viel Bildung außerhalb von Institutionen möglich ist
Und zum ersten Mal dachten wir: Vielleicht gibt es mehr als nur einen Weg, Kindheit zu leben.
Je länger wir unterwegs waren, desto fremder fühlte sich die Rückkehr ins „Systemleben“ an
Mit jeder neuen Begegnung, mit jeder Freundschaft, mit jedem Gespräch veränderte sich unser Blick auf unser altes Leben in Deutschland.
Der Gedanke, „irgendwann wieder zurück in ein normales Leben zu gehen“ fühlte sich immer weniger passend an.
Nicht, weil Deutschland schlecht ist — sondern weil wir inzwischen erfahren hatten, dass es andere Lebens- und Bildungswege gibt.
Und manche davon fühlten sich für uns — und für unser Kind — richtiger an.
Freilernen kam nicht als radikale Entscheidung — sondern als Prozess
Freilernen war für uns kein spontaner Bruch.
Es kam durch Begegnungen, Vertrauen, Beziehungen und durch Erfahrungen unterwegs.
Es entstand Schritt für Schritt — im Austausch, im Beobachten, im Spüren.
Und irgendwann wussten wir:Wir dürfen unseren eigenen Weg gehen.
Nicht, weil er der bessere ist — sondern weil er zu uns passt.