
Unser Start ins Wohnmobil-Leben – aufregend, neu und alles andere als leicht
Als wir im August mit unserem Wohnmobil losgezogen sind, dachten wir, wir wären gut vorbereitet. Wir hatten uns ein nagelneues Wohnmobil zugelegt und sind — bevor es ins Ausland ging — zu einer vierwöchigen Deutschland-Tour gestartet. Unsere Idee: ankommen, ausprobieren, Erfahrungen sammeln.
In Wirklichkeit war diese Zeit herausfordernder, als wir es erwartet hatten.
Autofahren mit Kleinkind – und ein Sitzplatz, der sich nach Distanz anfühlte
Unser Sohn war damals drei Jahre alt — und Autofahren war für ihn schon im normalen Auto schwierig. Im Wohnmobil saß er weiter hinten, räumlich viel weiter weg von uns als sonst.
Die Kommunikation während der Fahrt war anstrengend:
Wir mussten weit nach hinten sprechen
Nähe und Beruhigung waren kaum möglich
Frust baute sich schnell auf
Wir haben die Fahrtstrecken pro Tag bewusst kurz gehalten — und trotzdem waren alle irgendwann genervt. Jede Fahrt kostete Energie, Nerven und emotionale Kraft.
Immer wieder kam die Frage: „Warum fühlt sich das nicht nach Freiheit an — obwohl wir genau das wollten?“
Unser größter Fehler: Wir wollten in vier Wochen möglichst viel erleben
Rückblickend wissen wir:
Wir haben unsere erste Reisephase zu voll gepackt.
Wir wollten viele Freunde besuchen, die eh auf der Strecke wohnen, Städte ansehen und auch sonst möglichst viel „mitnehmen“
In unseren Köpfen war das sinnvoll, in der Realität bedeutete es ständiger Ortswechsel, ständiges Ankommen, ständiges Umgewöhnen und viel zu wenig Zeit, uns Zeit für uns und unsere neuen Umstände zu nehmen.
Erst danach haben wir verstanden: Entspannung kann nicht durch viele Stopps entstehen, sondern indem man sich Zeit lässt und länger an schönen Ort bleibt.
Zu erkennen, dass wir jetzt wirklich Zeit haben, war ein Prozess. Unser ganzes Leben war wir geprägt davon, uns zu beeilen, weiterzugehen, keine Zeit zu haben. Diese Veränderung in unserem Bewusstsein hat etwas Zeit gebraucht.
Wir haben Zeit.
Wir müssen nicht hetzen.
Der Weg darf sich entwickeln.
Alles war neu – und unser Kind liebte Routine und Sicherheit
Neben den vielen Ortswechseln war auch unser kompletter Alltag neu.
Unser Sohn liebte damals Struktur und wiederkehrende Abläufe.
Doch plötzlich war alles anders:
neues Bett
andere Schlafsituation
veränderte Tagesroutinen
wenig Platz
neue Umgebung — jeden Tag
Auch für uns Erwachsene war vieles ungewohnt:
alle Abläufe in unserem neuen Haushalt waren neu und ungewohnt
kleine Handgriffe dauerten länger
der Raum war begrenzt
Es fühlte sich an, als müsste jede Alltagsroutine neu gelernt werden.
Heftige Gefühlsausbrüche, Trönen und Überforderung standen schnell an der Tagesordnung. Trotzdem haben wir unsere Entscheidung nicht bereut, auch wenn der Anfang schwer war.
Warum diese herausfordernde Phase so wichtig für uns war
Die ersten Wochen im Wohnmobil waren intensiv, emotional und ehrlich.
Sie haben uns gezwungen, uns wichtige Fragen zu stellen:
Wie wollen wir wirklich reisen?
Was tut unserer Familie gut?
Wie viel Struktur braucht unser Kind?
Wo dürfen wir langsamer werden?
Aber wir haben auch unglaublich viel gelernt in dieser kurzen Zeit. Freiheit braucht Zeit, Reiseleben braucht Anpassung, Kinder brauchen Sicherheit und Pläne dürfen geändert werden.
Auf der weiteren Reise sind wir länger an Orten geblieben, die sich gut anfühlen und passen unsere Route an unser Gefühl an.
Denn das Kostbarste, was wir auf Reisen haben, ist Zeit.